Im ersten Teil haben wir geklärt, warum du 2026 keinen Baukasten mehr brauchst: KI baut dir eine echte, eigene Website — du beschreibst nur noch, was du willst. Schön. Aber wie geht das denn jetzt konkret? Mit wem soll ich überhaupt sprechen — Claude, ChatGPT, Google Gemini?
Du brauchst keinen Chat, sondern einen Arbeiter
Erstmal ein wichtiger Unterschied: Der normale Chat, den du vielleicht kennst, redet mit dir. Für eine Website brauchst du ein Werkzeug, das arbeitet: Dateien anlegt, Code schreiben und ausführen kann, Dinge ins Internet stellt. Solche Programme nennt man Agenten — und alle drei großen Anbieter haben einen im Angebot: Claude Code von Anthropic, Codex von OpenAI (den ChatGPT-Machern) und Gemini CLI von Google.

So sieht das in der Praxis aus: die Lektion „Postfach-Umzug" in der Academy — rechts baut der Baukasten den fertigen Claude-Prompt live zusammen
Ich empfehle Claude. Und zwar nicht, weil die anderen schlecht wären — sondern weil Claude mir erlaubt, die meisten Schnittstellen einzubauen. Das heißt: Ich kann wirklich alles von einem Ort aus machen. Nicht nur die Website bauen, sondern auch das Hosting, die Domain, meine E-Mail-Postfächer, meine Automatisierungen. Warum gerade Claude da vorne liegt, verstehst du gleich bei den zwei Hebeln.
„Und was soll ich da eingeben?"
Berechtigte Frage — denn damit steht und fällt dein Ergebnis. Das Eingeben eines guten Befehls in die Chatzeile, das sogenannte Prompten, hat sich in den letzten Jahren zu einem eigenen Beruf entwickelt: Prompt Engineer. Klingt erstmal so, als wärst du als Laie wieder raus.
Aber genau dafür hat die KI-Welt eine Lösung gebaut. Die Idee: Was wäre, wenn es zentrale, fertig vorbereitete Anleitungen gäbe — mit Erklärungen, Bedingungen und Checklisten — für so ziemlich jede denkbare Aufgabe? Praktisch wie Fähigkeiten, die du deiner KI dazugeben kannst.
Das gibt es. Das sind die sogenannten Skills.

Screenshot: skills.sh — das offene Skill-Verzeichnis mit Bestenliste, Stand August 2026
Hebel 1: Skills — Fähigkeiten zum Dazuladen
Ein Skill ist im Kern eine Textdatei (meist im Markdown-Format, also
.md), die so geschrieben ist, dass eine KI sie optimal aufsaugen
kann: Hier ist die Aufgabe, das sind die Regeln, das sind die
Stolperfallen, so sieht ein gutes Ergebnis aus. Du lädst den Skill
einmal, und ab dann arbeitet deine KI auf diesem Gebiet wie ein
Spezialist — ohne dass du den perfekten Befehl formulieren musst.
Und das sind keine statischen Texte: Skills werden von ihren Betreibern laufend aktualisiert. Ändert sich ein Gesetz oder eine Technik, zieht der Skill nach. Ein Beispiel aus der Praxis: Es gibt Skills, die Impressum und Datenschutzerklärung nach deutschem Recht erstellen, und Skills, die eine komplette Suchmaschinenoptimierung durchziehen — beides nutzen wir genau so in der Academy.
Übrigens: Vorgestellt hat dieses Skill-Format Anthropic — die Firma hinter Claude — im Oktober 2025, und Ende 2025 wurde es zum offenen Standard, den auch andere Anbieter übernehmen. Erster Hebel: erledigt.
Hebel 2: Schnittstellen — Claude an alles anschließen
Claude allein ist „nur" ein Sprachmodell. Richtig mächtig wird es, wenn du es verbindest. Dafür gibt es seit Ende 2024 einen offenen Standard namens MCP — erfunden ebenfalls von Anthropic, inzwischen auch von OpenAI, Google und Microsoft übernommen. In der Claude-App tauchen diese Verbindungen als „Konnektoren" auf. Deshalb meine Empfehlung von oben: Das Schnittstellen-Ökosystem ist bei Claude entstanden — und dort ist es am dichtesten.
Was das praktisch bedeutet, zeige ich dir an Beispielen:
Marktdaten statt Raten. Hänge Claude an eine Datenbank wie DataForSEO — die liefert live, wonach Menschen bei Google wirklich suchen: welche Begriffe, wie oft im Monat, wie stark die Konkurrenz ist. Ein echtes Beispiel, für diesen Artikel in Sekunden abgefragt: „dachdecker in der nähe" wird in Deutschland 18.100-mal pro Monat gesucht, „heizung notdienst" 5.400-mal — und für einen einzigen Anzeigen-Klick beim Begriff „website erstellen lassen" zahlen Agenturen rund 22 Dollar, so umkämpft ist das Feld. Plötzlich hast du eine Website-Maschine, die nicht auf gut Glück baut, sondern exakt auf deine Zielgruppe. Ich muss nicht mehr raten — ich frage einfach den Markt.
Dein Mailserver. Verbunden mit deinen Postfächern kann Claude Automatisierungen einrichten: Wer über dein Formular anfragt, bekommt sofort eine Bestätigung. Oder deinen Newsletter — geschrieben und verschickt aus demselben Chat.
Dein Hosting. Eine Schnittstelle zum Hosting-Anbieter (bei uns: Vercel), und der Satz „stell die Seite live" ist wörtlich gemeint.
Webhooks. Ein Webhook ist ein automatischer Melder zwischen zwei Systemen: „Wenn X passiert, sag Y Bescheid." Beispiel: Ein Produkt liegt seit zwei Tagen unbezahlt im Warenkorb? Der Webhook merkt es — und der Kunde bekommt automatisch eine freundliche Erinnerungsmail.
Deine Warenwirtschaft. Ist das Lager fast leer, weiß Claude es — und schreibt von selbst alle Kunden an, die das Produkt gerade im Warenkorb haben: „Nur noch wenige Stück da."
Deine Buchhaltung. Mein Lieblingsbeispiel: Ein Kunde trägt in deinem Gartenpflege-Formular die Quadratmeter und die gewünschte Leistung ein — und es wird automatisch ein Angebot erstellt, mit fortlaufender Nummer, sauber im System, direkt an den Kunden verschickt. Er ruft an und will noch eine Leistung dazu? Du schreibst das vom Handy aus in den Chat, Claude schaut in deiner Buchhaltung nach, welche Position passt, und schickt das aktualisierte Angebot raus. Vom Parkplatz aus.
Dein Zahlungsanbieter. Eine Schnittstelle zu Stripe, PayPal oder Mollie — und deine Website kann hinter deinen Produkten und Leistungen direkt bares Geld einnehmen: die Anzahlung zum Auftrag, der Verkauf ab Lager, der Gutschein. Bezahlt wird auf deiner Seite, das Geld landet auf deinem Konto.
Werbung: Meta & Google. Die beiden großen Werbeplattformen lassen sich ebenfalls anschließen: Anzeigen bei Meta oder Google direkt aus Claude anlegen — und vor allem: sauber messen, wie Menschen darauf reagieren. Wer klickt? Wer trägt sich ins Formular ein? Dafür braucht deine Website ein sogenanntes Pixel — ein kleines, unsichtbares Skript, das solche Ereignisse an die Werbeplattform zurückmeldet, damit deren Algorithmus lernt, wem er deine Anzeige zeigen soll. Denn ein Algorithmus ist nur so gut, wie man ihn trainiert. Früher hat es oft Tage bis Wochen gedauert, bis jedes Ereignis auf der Website sauber eingebaut und getestet war — mit Claude beschreibst du, was gemessen werden soll, und es ist in Minuten drin.
Merkst du, worauf das hinausläuft? Du löst keine Mikro-Aufgaben mehr. Nicht du klickst dich durch sieben Systeme — Claude macht. Du dirigierst nur noch.
Der Schlüssel zur Freiheit
Für mich ist Claude damit der Schlüssel zu einer fast absoluten Freiheit im Internet. Und das Beste daran: Jeder kann das. Denn jeder kann auf seiner Tastatur schreiben, was er denkt. Du brauchst keine Programmiersprache, keinen Fachbegriff-Dschungel — nur ein paar grundlegende Werkzeuge und die Bereitschaft, sie einmal einzurichten. Dann steht dir die Welt offen.
Welche Werkzeuge das genau sind und wie du sie Schritt für Schritt einrichtest — vom ersten Prompt bis zur fertigen Website — zeigt das kostenlose Modul 1 der gefundenwerden.online Academy. Im nächsten Artikel geht es dann ans Eingemachte: die erste eigene Website.