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Grundlagen27. August 20266 min

Onlinepräsenz aufbauen: Warum du 2026 keinen Baukasten mehr brauchst

Dein Geschäft findet längst im Internet statt. Was sich durch KI verändert hat, warum die eigene Website der wilde Westen ist — und wieso der Umweg über Wix & Co. gerade überflüssig wird.

Bevor wir in diesem Blog über Websites, Google-Rankings und Anfragen sprechen, müssen wir einmal ganz vorne anfangen: Warum das alles?

Die Antwort ist unbequem einfach. Die Welt findet heute zum großen Teil im Internet statt — und um ein Geschäft erfolgreich zu führen, brauchst du in erster Linie eines: Aufmerksamkeit. Nicht nur, um deine Dienstleistung oder dein Produkt zu verkaufen. Vielleicht willst du Mitarbeiter anziehen, die sich deinen Betrieb vorher im Netz anschauen. Vielleicht willst du bei einem möglichen Geschäftspartner oder Lieferanten einen guten Eindruck hinterlassen, der deinen Namen nach dem ersten Telefonat googelt. Wer im Internet nicht stattfindet, existiert für all diese Menschen erst einmal nicht.

Damit du ein Gefühl für die Größenordnung bekommst: Allein „dachdecker in der nähe" wird in Deutschland rund 18.100-mal pro Monat gegoogelt, „heizung notdienst" 5.400-mal (Google-Ads-Daten via DataForSEO, Stand August 2026). Jede dieser Suchen ist ein potenzieller Auftrag — und irgendein Betrieb bekommt ihn.

Bleibt die Frage: Wo findet das statt? Auf Social Media? Oder auf einer eigenen Website? Und was ist eigentlich der Unterschied?

Social Media: schnell, einfach — und gemietet

Social Media hat es uns extrem einfach gemacht, schnell mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Klar — genau dafür wurde es gebaut. Du legst ein Profil an und kannst theoretisch morgen tausend Leute erreichen.

Aber du spielst dort immer nach fremden Regeln. Die Plattform entscheidet, wer deine Beiträge sieht. Sie ändert den Algorithmus, wann sie will. Sie kann dein Konto einschränken oder sperren, ohne dich zu fragen. Dein Profil sieht aus wie jedes andere, gestalten kannst du fast nichts. Social Media ist gemietetes Land: nützlich, aber es gehört dir nicht.

Die eigene Website: der wilde Westen des Internets

Die eigene Website ist das Gegenteil. Hier kann jeder gestalten, was er will, wie er will. Keine Vorlage, kein Algorithmus, kein Vermieter. Was Menschen aus dieser Freiheit gemacht haben, zeigen zwei Geschichten — eine glänzende und eine als Warnung.

Die erste: Ein Mann namens Jeffrey Preston Bezos hat dieses Potenzial früh gesehen und wollte damit zunächst nur Bücher verkaufen. 1995 ging Amazon als Online-Buchladen live. Heute ist Amazon eines der wertvollsten Unternehmen der Welt und hat im August 2026 als eines von nur einer Handvoll Firmen die Marke von drei Billionen Dollar Börsenwert geknackt. Bezos gehören noch immer knapp 9 Prozent davon — sein Privatvermögen liegt laut Forbes bei rund 250 Milliarden Dollar, Platz 4 der reichsten Menschen der Welt. Aus einer Website. Für Bücher.

Jeff Bezos lachend bei der Eröffnung der Amazon Spheres in Seattle, 2018

Foto: Seattle City Council, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Die zweite Geschichte: Andere nutzten dieselbe Freiheit, um Filme und Serien für jeden kostenlos verfügbar zu machen — ohne die Rechte daran zu besitzen. Portale wie kino.to und der Nachfolger kinox.to gehörten zeitweise zu den meistbesuchten Seiten Deutschlands. Das Ende vom Lied: Die Hintermänner von kino.to wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die mutmaßlichen Betreiber von kinox.to, zwei Brüder, wurden international zur Fahndung ausgeschrieben — der eine wurde 2017 im Kosovo festgenommen und saß Monate in Untersuchungshaft, der andere ist bis heute auf der Flucht. Ein Leben, in dem du nie wieder entspannt durch eine Passkontrolle gehst.

Diesen Bildschirm sahen Millionen Deutsche, als die Kriminalpolizei 2011 kino.to übernahm — samt Hinweis auf die Verhaftungen:

Der Hinweis der Kriminalpolizei auf der beschlagnahmten Domain kino.to von 2011: Die Domain wurde wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung geschlossen, mehrere Betreiber wurden verhaftet

Abbildung: Hinweis der Kriminalpolizei auf kino.to (2011), Public Domain, via Wikimedia Commons

Du merkst, ich schweife ab. Aber der Punkt ist: Mit einer Website kann man fast alles machen. Die Freiheit ist echt — und was du daraus baust, entscheidest du.

Warum das so lange Expertensache war

Nur: Wie baut man so eine Website überhaupt?

Lange Zeit war das ziemlich schwierig. Du brauchtest umfangreiches Wissen: HTML für die Struktur, CSS für das Aussehen, JavaScript für alles, was sich bewegt. Dazu Server, Datenbanken, Schnittstellen zu anderen Diensten, Hosting, Sicherheit, mobile Darstellung. Ein eigener Beruf — genauer gesagt gleich mehrere. Wer eine Website wollte, hat entweder Monate gelernt oder eine Agentur bezahlt.

Stufe 1: WordPress und die Baukästen

Mit der wachsenden Popularität des Internets kamen einige Leute auf die Idee, den Website-Bau für die Masse zu entwickeln. 2003 starteten zwei Entwickler ein Open-Source-Projekt namens WordPress: ein System, mit dem man Inhalte pflegen konnte, ohne Code anzufassen. Es wurde der Standard — noch heute laufen rund 4 von 10 Websites weltweit auf WordPress.

Matt Mullenweg, Mitgründer von WordPress, auf der Bühne der TechCrunch Disrupt 2024

Matt Mullenweg, Mitgründer von WordPress. Foto: TechCrunch, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Danach kamen die Baukästen: Wix, Squarespace, Jimdo, IONOS, für Shops Shopify. Die Idee dahinter: Wir bauen einen fertigen Kasten mit Vorlagen, und der „Laie" kann sich mit etwas Zeit seine eigene Website zusammenklicken. Das war die Geburtsstunde der Website-Baukästen — und für viele kleine Betriebe der erste Weg ins Netz.

Aber der Deal hatte einen Preis: Du warst eingeschränkt und abhängig. Du gestaltest innerhalb der Vorlage, nicht darüber hinaus. Du zahlst jeden Monat Miete. Deine Website wohnt beim Anbieter, und umziehen ist schwer bis unmöglich — den Baukasten kannst du nicht mitnehmen. Der wilde Westen, aber mit Zaun drumherum.

Stufe 2: Der 30. November 2022

Dann stellte OpenAI am 30. November 2022 ChatGPT vor — und veränderte die Lage grundlegend. Innerhalb von zwei Monaten hatten 100 Millionen Menschen das Werkzeug ausprobiert, schneller als bei jeder Anwendung zuvor.

Sam Altman, Chef von OpenAI, mit SoftBank-Chef Masayoshi Son zu Gast beim japanischen Premierminister Shigeru Ishiba

Wie groß ChatGPT wurde, zeigt dieses Bild: OpenAI-Chef Sam Altman (links) mit SoftBank-Chef Masayoshi Son zu Gast beim japanischen Premierminister Shigeru Ishiba, Februar 2025. Foto: Government of Japan, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons Zum ersten Mal konnte jeder mit einem Computer reden wie mit einem Menschen — und der Computer antwortete brauchbar. Auch in Code.

Heute, keine vier Jahre später, ist daraus ein neuer Weg entstanden: KI-Werkzeuge schreiben den kompletten Code einer Website — HTML, CSS, JavaScript, Formulare, Schnittstellen, alles. Du beschreibst in ganz normalen, laienhaften Worten, was du willst: „Bau mir eine Website für meinen Dachdeckerbetrieb, mit Anfrageformular und meinen echten Fotos." Und es entsteht keine Vorlage von der Stange, sondern deine Website — so frei gestaltbar, wie es früher nur mit Programmierkenntnissen ging.

Wofür brauchst du dann noch einen Baukasten?

Genau das ist die Frage.

Die Marken der drei großen KI-Anbieter: OpenAI, Claude von Anthropic und Gemini von Google

Die neuen Werkzeuge: OpenAI, Claude (Anthropic) und Gemini (Google) — Wort-/Bildmarken der jeweiligen Unternehmen

Die Baukästen waren ein Kompromiss: Einfachheit gegen Freiheit. Diesen Kompromiss musst du nicht mehr eingehen. Mit KI bekommst du beides — die Einfachheit („sag einfach, was du willst") und die volle Freiheit und Unabhängigkeit einer echten, eigenen Website, die dir gehört und mit deinem Betrieb wachsen kann.

Wie das konkret geht — von der ersten Website über die eigene Domain und Firmen-E-Mail bis dahin, dass dich Kunden bei Google finden — genau darum geht es in diesem Blog. Der nächste Schritt: Teil 2 — Claude, ChatGPT oder Gemini: Womit baust du deine Website? Und wer es lieber Schritt für Schritt im Video sehen will: Das kostenlose Modul 1 der gefundenwerden.online Academy zeigt den kompletten Weg zum Nachmachen.